Bücher

veröffentlicht

Mein Sommer mit Marleen

Erzählungen

Ich hatte noch immer nicht begriffen, dass es trotz ihres Lächelns kein Spiel war. Ich zog Sophie langsam von der Dachkante weg. Es schien geschafft. Wir waren erleichtert und also waren wir unvorsichtig. Plötzlich riss Sophie sich los, schlug einen Haken und rannte los. Sie brauchte nur wenige Schritte. Mit einem unterdrückten Schrei verschwand sie in der Tiefe. weiterlesen

 

Die Geschichte von Jeffy & Bernadette

Drehbuch

Staub wirbelt auf. Das Quietschen einer Holzdeichsel ist zu hören. Pferdehufen schlagen dumpf auf Waldboden. Auf einem Fuhrwerk döst ein sehr alter Mann. Eine asphaltierte Straße beginnt, das Pferd trabt aus.
Der Alte schlägt die Augen auf. Vor ihm steht ein Wegweiser an der Einmündung zur Straße -  schilderlos. Der Alte klettert vom Wagen. Er hebt das verwitterte Schild vom Boden auf und nagelt es fest.
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Blogistiv 1.0 Notizen eines Jahres

Blog-Texte

Ein merkwürdiges Gefühl, am Morgen eine große Berliner Zeitung aufzuschlagen und auszugsweise die Theatertexte jenes Amokläufers von Blacksburg zu lesen. Auch er schrieb also. Und er schrieb offensichtlich auch mehr, als das heute noch zum alltäglichen Dasein zwingend notwendig wäre. Verwirrt war er und wie es schien, mit sich und allem um sich herum zerrissen. weiterlesen
 

unveröffentlicht

Liebe. Kotzen. Zweisamkeit.

Texte, der Liebe geschuldet.

Heute nun kam dein Brief. Es scheint, als brauche die Post von mir auf deine Insel einen Tag länger, als in umgekehrter Richtung. Woran das wohl liegen mag?

 

Dem beschwingten Schriftbild zufolge, geht es dir tatsächlich gut, sehr gut. Nur mit den kalten Füßen solltest du aufpassen. Die sind immer ein erstes Zeichen einer Erkältung. Und wer sollte dich denn gesund pflegen, so weit weg? weiterlesen

 

Abriss Leben

Ein kurzer Abriss über ein abgerissenes Leben.

Es war, als hätten wir uns gesucht. Später wird Nikken sagen, es war die Hoffnung, einen letzten Halm zu finden. Jemanden, der einen rausziehen würde aus dem ewigen Kreislauf zwischen Abrisshaus und Bahnhofsvorplatz und den Wegen dazwischen, die sich nur noch im Gewicht der vollen von dem der leer gesoffenen Bierkästen auf unseren Schultern unterschieden.

Damals kam ich aus einer anderen Welt. Ich hätte nie geglaubt, regungslos mit ansehen zu können, wie dieser Nikken eine tote Ratte an eine Haustür nagelte. Und doch schwieg ich. Ich grinste diesen Punkerkerl herausfordern an, bis er mir stumm den Hammer entgegenhielt. 

 

Monate später, längst selbst und Tag für Tag hoffnungsvoll dem Punk verfallen, klapperten wir mit dutzenden Bierflaschen vom Bahnhofsvorplatz zum Haus. Wir vertrauten nur dem scheppernden Lärm unserer Rucksäcke. Wir pfiffen dazu wie zwei kleine Jungs im Wald. Nur, um am nächsten Nachmittag, spät aus dem Rausch erwacht, bekotzt und stinkend, in den angewiderten Blicken der von der Arbeit heimwärts hetzenden Prolls ausreichend Grund für eine erneute Abgrenzung zu sehen. Was wir, noch immer halbberauscht, in die mageren Worte kleideten: Fickt euch! Der dazu erhobene Mittelfinger gab den Startschuss.

 

Manchmal warfen wir knochenharte Schrippen auf noch knochenhärtere Touristen in dämlichen Touri-Wagen. Spätestens dann konnte das alltägliche Spiel aufs Neue beginnen:  Lass Flaschen klirren, lass krachen!  Noch ahnte ich nicht, wie wenig das alles wirklich mit Punkrock zu tun hatte.

Der Lebzelter

Wer auf wahre Freundschaft hofft, sollte vor allem auf Wahrheit hoffen. Freundschaft ergibt sich dann ganz von allein.

So glaubten wir, wovon man sprach,

auf Kanzeln, Podien und von Türmen.

Und waren doch, so ahnungslos, ein Nichts.


Wir hatten nicht gehofft, Jahrhunderte auch nie gewagt

zu fordern, was uns Anspruch wäre:

Dass unser Dasein Wahres braucht.

Dass Leben nur zu prophezeien

uns nie für wahres Leben reichen wird.


Und was uns blieb am Ende allen Glaubens,

war nur ein Traum, doch alles wert:

Dass nur der Mensch dem andren Menschen,

der Freund dem Freund,
der Mann der Frau,

der Sohn dem Vater
noch verpflichtet sei.


Dass frei von allem Glauben, aller Macht

nur zählt, was in uns steckt.

Und Harmonie in allen Dingen

doch nur dem Ende allen Lebens gleicht.


Nicht Untertan! Nicht stumm!

Nicht ohne Widerspruch!

Und niemand sich verkauft der Macht, des eigenen Friedens willen.

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© Dietmar Haiduk 2019, Texte und Fotos