Blogistiv 1.0 Notizen eines Jahres

Blog-Texte
 

Ein merkwürdiges Gefühl, am Morgen eine große Berliner Zeitung aufzuschlagen und auszugsweise die Theatertexte jenes Amokläufers von Blacksburg zu lesen. Auch er schrieb also. Und er schrieb offensichtlich auch mehr, als das heute noch zum alltäglichen Dasein zwingend notwendig wäre. Verwirrt war er und wie es schien, mit sich und allem um sich herum zerrissen. Am Ende war er also wohl nicht mehr er selbst, bleibt zu vermuten. Aber wahrscheinlicher scheint es doch, dass er nie so sehr er selbst war, wie an jenem Montagmorgen der Tat in Blacksburg. So brutal, so zerstörerisch, so asozial und so unmenschlich.

 

Beklemmend ist zu erkennen, dass ausgerechnet das Schreiben einen mit einem Amokläufer verbinden kann. Schlimmer aber noch: dass Schreiben allein also nie heißen muss, am Ende besser dazustehen als vorher, weil man schreibend Erkenntnisse gewonnen haben könnte, die einem die Unerklärbarkeit des Lebens nehmen.
Vielleicht wäre es also besser, nie mehr zu schreiben, um nichts aus sich hervorquellen zu lassen, das einen im simpelsten Fall überraschen, im schlimmsten Fall entgleiten und zu einer Waffe treiben könnte? Dass man beschreibt, was einen umgibt, heißt noch lange nicht, der Welt näher zu kommen. Es kann einen auch von dieser entrücken – auf das größtmögliche Maß.
 

aus: Blogistiv 1.0 - Notizen eines Jahres

 

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© Dietmar Haiduk 2019, Texte und Fotos