Jeffy & Bernadette

Drehbuch
 

Staub wirbelt auf. Das Quietschen einer Holzdeichsel ist zu hören. Pferdehufen schlagen dumpf auf Waldboden. Auf einem Fuhrwerk döst ein alter Mann. Eine asphaltierte Straße beginnt, das Pferd trabt aus. Der Alte schlägt die Augen auf. Vor ihm steht ein Wegweiser an der Einmündung zur Straße -  schilderlos. Der Alte klettert vom Wagen. Er hebt das verwitterte Schild vom Boden auf und nagelt es fest: In verblasster Sütterlinschrift weist darauf das Wort „Allenstein“ zum Horizont. Der Alte will aufsitzen, besinnt sich und kehrt zurück. Er dreht das Schild um. In polnischen Lettern steht nun: „Olsztyn“. Der Alte steigt auf. Das Fuhrwerk biegt auf die Straße ein.

Von hinten donnert ein riesiger Lastwagen heran. Weit ausholend umrundet er das Fuhrwerk. Der Fahrtwind zerrt. Das Pferd stockt. Der Alte schreckt hoch. Auf der Ladefläche seines Wagens wirbelt eine Plane auf: eine mannshohe, eiserne Büste wird sichtbar. Der Lastwagen entfernt sich schnell. Auf dem Ladecontainer wirbt ein übergroßes Hochglanzbild für deutsche Einrichtungshäuser.

 

Zur selben Zeit, am anderen Ende der Straße: Ein weißes Cabrio - verrostet und verbeult – kommt die Straße herauf. Der Wagen fährt stotternd im Zickzackkurs. Immer wieder holpert er gefährlich über Grasnarben am Straßenrand. Jeffy sitzt am Steuer: Er ist von kräftiger Gestalt, Drei-Tage-Bart und rötliche, strubbelige Haare. Seine monströse Sonnenbrille setzt Jeffy nie ab. Jeffy ist blind.

Neben ihm sitzt Bernadette. Die Haare hängen lang und strähnig. Sie trägt einen schlampigen Pullover und ausgebeulte Jeans. Bernadette blinzelt ängstlich auf die Straße, die vor ihnen liegt. Der Wagen schlingert über die Mittellinie. Bernadette schreit auf.

aus:
Jeffy & Bernadette
 

 

 

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© Dietmar Haiduk 2019, Texte und Fotos