Liebe. Kotzen. Zweisamkeit.

Texte, der Liebe geschuldet.
 

Heute nun kam dein Brief. Es scheint, als brauche die Post von mir auf deine Insel einen Tag länger, als in umgekehrter Richtung. Woran das wohl liegen mag? Dem beschwingten Schriftbild zufolge, geht es dir tatsächlich gut, sehr gut. Nur mit den kalten Füßen solltest du aufpassen. Die sind immer ein erstes Zeichen einer Erkältung. Und wer sollte dich denn gesund pflegen, so weit weg?

 

Aber noch sitze ich an meinem Küchentisch und denke, während ich auf die Brandmauer am Ende des Gartens starre, dass das Beneidenswerteste an deinem neuen Zuhause wahrscheinlich der nach allen Seiten unverstellte Blick in die Ferne ist. Diese unendliche Weite überall.

 

Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege, aber mir scheint, als wäre dein letzter kurzer Text das Offenbarendste, was ich bisher von dir gelesen habe. Steht der Harlekin neben sich selbst? Angesichts der Entfremdung, weil zum ersten Mal die Welt nicht aus einem Guss ist? Weil es hier das Überlegene, Spaßhafte gibt und dort die Ernsthaftigkeit des Alltags? Wer weiß. Du musst nicht sagen, ob ich falsch oder richtig liege. Jeder liest, was er liest. Dafür schreibt man ja vielleicht vor allem.

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© Dietmar Haiduk 2019, Texte und Fotos